Orga-Leitfaden

Wie lange im Voraus sollte ich nach einem Auslands-PJ-Platz suchen?

Wir empfehlen, sich schon nach dem ersten Staatsexamen, mindestens aber ein Jahr vor geplantem Antritt Gedanken zur gewünschten Stelle und Land zu machen und dann zu suchen. Zeit einberechnen für Anerkennung, Prüfungsamt, Wohnungssuche, Flüge, Stipendienbewerbung und für die Anmeldung zu den Praktikumsbegleitenden Unterrichtsveranstaltungen der Landesapothekerkammer.

Wie und wo finde ich PJ-Stellen im Ausland?

Es gibt verschiedene Vorgehensweisen, einen PJ-Platz im Ausland zu finden. Geläufige Wege sind die Suche in Stellenbörsen, die Nutzung von Auslandsprogrammen, Ausschreibungen, Hilfsorganisationen/Humanitäre Projekte über Kontakte und Initiativbewerbungen.

Stellenbörsen

Es gibt verschiedene freizugängliche Stellenbörsen, in denen man nach Auslands-PJ-Plätzen suchen kann. Da diese Praktikumsplätze schon geschaffen sind und in der Regel eine Beschreibung des Praktikums in der Regel vorliegt, wird die Planung des Auslands-PJ erleichtert. Es lohnt sich, diese Stellenbörsen regelmäßig abzurufen, um keine neuen Angebote zu verpassen.

Zusätzlich zur Suche in den Stellenbörsen, empfehlen wir eine Schlagwortsuche im Internet wie „Pharmaziepraktikum Ausland“ oder „Pharmaziepraktikum England“, gegebenenfalls auch auf Englisch oder in weiteren Sprachen.

  • PJ-Börse des BPhD

Auf der PJ-Börse des BPhD können Praktikumsgeber freie Praktikumsplätze veröffentlichten. Neben zahlreichen inländischen PJ-Angeboten und findet man immer mal wieder ein PJ-Angebot im Ausland. Damit die Auslands-PJ-Angebote angezeigt werden, wendet man den Filter „PJ im Ausland (6 Monate)“ bei der Auswahl „Wählen Sie eine Praktikumsdauer“ an.

https://www.bphd.de/boerse/pj-boerse/

  • Hospital Database der European Association of Hospital Pharmacists (EAHP)

Informationen zu dieser kostenlosen Börse für Praktika in europäischen Krankenhausapotheken und Informationen zur Bewerbung findet ihr hier:

Bewerben

  • EPSA Job Shop

Der EPSA Job Shop ist eine Job- und Praktikumsbörse für Stellen im europäischen Ausland. Vor allem die IMP-Angebote (Redirect-Link zum Punkt „IMP“ unserer Auslandsrubrik) werden regelmäßig aktualisiert. Der Bewerbungsprozess ist beim jeweiligen Angebot beschrieben. Die Angebote gelten nicht unbegrenzt sondern oft nur für einen bestimmten Praktikumszeitraum. Daher ist man bei den IMP-Stellen weniger flexibel in der Wahl des Antrittszeitpunkts des Praktikums. Ein großer Vorteil der IMP-Angebote ist aber, dass die Stellen bezahlt sind.

http://www.epsa-online.org/job-shop/

  • EURES

EURES ist ein europäisches Job-Portal, das von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde. Mithilfe einer Schlagwortsuche und Filtern können neben Jobs auch Praktika gefunden werden.

https://ec.europa.eu/eures/public/de/homepage

Programme

Es existieren Praktikumsprogramme, auf die sich Studierende zu bestimmten Zeitpunkten im Jahr bewerben können.

  • Individual Mobility Project (IMP) von EPSA

Die European Pharmacuetical Students’ Association organisiert regelmäßig bezahlte Praktikumsstellen in diversen pharmazeutischen Bereichen im europäischen Ausland für Pharmaziestudierende. Erfahre hier mehr über das IMP: REDIRECT-BUTTON: IMP

  • International Association for the Exchange of Students for Technical Experience (IAESTE)

Das IAESTE-Programm bietet bezahlte, mehrmonatige Auslandspraktika auf der ganzen Welt bei u.a. Universitäten und Firmen für Studierende naturwissenschaftlicher Fachrichtungen. Es gibt eine Bewerbungsphase pro Jahr, die am 30. November jedes Jahres endet. Die Bewerbung erfolgt über das Lokalkomitee der eigenen Universität bzw. über das nächstgelegene Lokalkomitee. Es gibt daneben auch die Möglichkeit, sich direkt auf Restplätze zu bewerben. Erfahrt mehr auf der IAESTE-Homepage über das Programm und wo ihr euer Lokalkomitee findet: https://www.iaeste.de/outgoing 

Ausschreibungen

Gerade europäische Behörden, deren Arbeitsgrundlage Arzneimittel sind, bieten regelmäßig mehrmonatige Praktika für Studierende oder kürzlich Graduierte an. Diese lassen sich eventuell nach Absprache mit dem Landesprüfungsamt für ein PJ im Ausland verwenden.

  • Das Europäische Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM) in Straßburg, Frankreich

Das EDQM, welchem das Sekretariat der Arzneibuch-Kommission zugehörig ist, bietet Traineeships von 6 Monaten für Pharmaziestudierende in höheren Fachsemestern bzw. PhiP an. Bewerbt euch doch initiativ und erfragt die Möglichkeit eines Traineeships für euch. https://www.edqm.eu/en/employment-opportunities

  • Das Traineeprogramme der European Medicines Agency (EMA) in Amsterdam, Niederlande

Die EMA bietet in der Regel Traineeship-Möglichkeiten  und veröffentlicht die Ausschreibungen mit den Antrittszeitpunkten online. Zwei bis drei Monate vor dem Antrittszeitpunkt können sich interessierte Studierende auf die Traineeships bewerben. Ihr könnt euch eine Benachrichtigung von EMA senden lassen, wenn eine Traineeship-Möglichkeit veröffentlicht wird. Erfahrt hier mehr: https://www.ema.europa.eu/en/about-us/careers/trainee-programme

  • Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht // European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA) in Lissabon, Portugal

Die EMCDDA bietet für Graduierte regelmäßig sechs bezahlte Praktikumsstellen von jeweils acht Monaten an. Die Praktika werden in der Regel zwischen Oktober und Dezember eines jeden Jahres ausgeschrieben. Erfahrt hier mehr: http://www.emcdda.europa.eu/about/jobs

Hilfsorganisationen/Humanitäre Projekte

Für diejenigen, die sich für ein humanitäres Projekt während seines PJ ins Ausland einsetzen möchten, sind im Folgenden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt:

  • Verein für internationalen und interkulturellen Austausch VIA e. V.

VIA bietet Praktika und Freiwilligendienste im Ausland mit dem Ziel des interkulturellen Austauschs an, darunter Praktika im medizinischen Sektor. Die Vermittlung der Praktika sind kostenpflichtig, jedoch kümmert sich VIA e.V. um die Unterkunft und Verpflegung der Praktikanten sowie um die Betreuung vor Ort. Erfahrt hier mehr über das Programm von VIA e.V.: http://www.via-ev.org/ausland/praktika/praktika-2 

  • Pharmazeuten/-innen im Praktikum für Calcutta Rescue Deutschland e.V.

Der gemeinnützige Verein Calcutta Rescue setzt sich für die medizinische Versorgung und die Verbesserung der  Lebensumstände von Bedürftigen in Kalkutta und Westbengalen, Indien zu verbessern sowie die Förderung der Bildung und Ausbildung ein. Regelmäßig sucht Calcutta Rescue PhiP für die Mitarbeit der Projekte in Indien. Erfahrt hier mehr:

http://www.calcutta-rescue.de/index.php/mitarbeiten2/mitarbeiten-in-kalkutta

  • Einätze für Nepalmed e.V.

Nepalmed e.V. ist eine Hilfsorganisation, die medizinische Initiativen in Nepal fördert und sucht Pharmazeut/innen für einen Einsatz von mindestens vier Wochen. Erfahrt hier mehr: https://nepalmed.de/helfen/wer-wird-gebraucht/

 

Kontakte

Oft erfolgreich und direkt gestaltet sich die Suche nach PJ-Plätzen mithilfe einer persönlichen Unterstützung. Daher kann man folgende Personengruppen um Hilfe bitten, wen es um ein Auslands-PJ geht:

  • Professor/innen der eigenen Universität

In der Regel haben Professoren Kontakte zu Professoren und Wissenschaftlern an ausländischen Universitäten. Empfehlenswert ist, sich an der eigenen Universität zu erkundigen, welche Kontakte ins Ausland bestehen. Da der Professor z.B. persönlich bei den ausländischen Kollegen um Aufnahme von Praktikanten bitten kann, ist die Wahrscheinlichkeit einer positiven Rückmeldung hoch. Daneben könnte man auch einen Professor der eigenen Universität bitten, ein Empfehlungsschreiben zu verfassen, welches man an die Wunsch-Praktikumsstelle im Ausland schicken kann, um die Chance einer positiven Rückmeldung zu erhöhen.

  • International Office der eigenen Universität

Beim International Office erfahrt ihr, welche Kontakte eure Universität ins Ausland hat wie z.B. Partneruniversitäten. Bittet das International Office um Hilfe, den Kontakt zu einer ausländischen Universität herzustellen.

  • Kommiliton/innen

Kommilitonen, die schon ein Praktikum im Ausland gemacht haben, können möglicherweise den Kontakt ins Ausland herstellen. Erkundigt euch direkt bei euren Mitstudierenden oder bei der Fachschaft.

  • Verfasser/innen von Auslands-Erfahrungsberichten

Vor euch waren schon einige andere Pharmaziestudierende während ihres PJ im Ausland und haben ihre Erfahrungen in Berichten festgehalten. Die Berichte dienen unter anderem dazu, dass sich interessierte Studierende beim Verfasser melden und Fragen zum PJ stellen können. Eventuell kann der eine oder andere euch an den Praktikumsgeber vermitteln. Hier findet ihr Erfahrungsberichte:

 

  • Nationale/lokale Pharmaziestudierendenvertretungen im Ausland (vergleichbar mit dem BPhD bzw. Fachschaften)

Diese sind in fast jedem Land vertreten. Die Kontakte findet ihr durch eine Internetrecherche, bei IPSF (weltweit) oder bei EPSA (europäischer Raum) für nationale Pharmaziestudierendenverbände. Die lokalen Verbände sind in der Regel universitätsspezifisch.

 

Initiativbewerbungen

Auch wenn keine Praktikumsstelle ausgeschrieben ist, lohnt es sich, beim Wunschplatz nachzufragen, ob die Durchführung eines Praktikums dort möglich ist. Schon beim ersten Anschreiben empfiehlt es sich, den Aufbau des Pharmaziestudiums zu beschreiben und aufzuzeigen, in welchem Bildungsabschnitt und mit welchen Kenntnissen man sich im PJ befinden wird. Oft ist der Aufbau des deutschen Pharmaziestudiums im Ausland nicht bekannt. Mithilfe der Beschreibung können die Praktikumsgeber einschätzen, wie der Wissenstand der Pharmaziepraktikanten ist und was sie von den Praktikanten erwarten können. Hier könnt ihr euch eine Anregung für das Formulieren der Beschreibung holen: https://epheu.eu/germany-more-about-pharmacy/ . Daneben ist bei einer Initiativbewerbung ein Empfehlungsschreiben von der heimischen Universität zu empfehlen, da damit die Chance auf eine Rückmeldung steigt. Auch könntet ihr eine/n Professor/in eurer Universität bitten, mit der Wunsch-Praktikumsstelle einen ersten Kontakt aufzunehmen und euch dabei als Praktikanten zu empfehlen.

In diesem Video des Kanals „The Secret Life of Scientists“ werden ebenfalls Tipps gegeben, wie man eine Initiativbewerbung am Wunsch-Praktikumsplatz angeht: https://www.youtube.com/watch?v=8Xb6RvyTqUU

 

Was muss ich beachten?

Wichtig ist, dass das Auslands-PJ im Voraus mit dem Prüfungsamt, in dem ihr das dritte Staatsexamen ablegen werdet, abgesprochen wurde und die vorläufige Anerkennung vom Prüfungsamt eingeholt wurde, damit es nicht zu Missverständnissen bei der Anmeldung zum dritten Staatsexamen kommt und das Risiko besteht, ein weiteres PJ-Halbjahr absolvieren zu müssen, weil das Auslands-PJ nicht anerkannt wurde. Achtet deswegen auch, dass euer Auslands-PJ den Vorgaben der Approbationsordnung für Apotheker in § 4 Absatz 1 Nummer 2 entspricht.

Erfahrt hier mehr über die Anerkennung eines Auslands-PJ durch das Prüfungsamt:

Darüber hinaus müssen während des PJ die Praktikumsbegleitenden Unterrichtsveranstaltungen (PBU) besucht werden. Diese werden von der Landesapothekerkammer des jeweiligen Bundeslands angeboten. Der PBU ist aus zwei Unterrichtsblöcken à zwei Wochen zusammengesetzt – pharmazeutisches Recht und pharmazeutische Praxis. Die einen zwei Wochen finden während einer PJ-Hälfte statt, der Rest während der anderen. Hier lässt sich die Problematik erkennen, dass während eines Auslands-PJ nicht zwangsläufig aus dem Ausland nach Deutschland angereist werden kann und der PBU während dem Auslands-PJ besucht werden. Daher empfiehlt es sich, am PBU einer Landesapothekerkammer teilzunehmen, die diesen „am Stück“ anbietet, d.h. die 2x zweiwöchigen Themenblöcke (pharm. Recht & pharm. Praxis) hintereinander innerhalb eines Halbjahres anbietet. Die bayerische Apothekerkammer, die Apothekerkammer Berlin und die Apothekerkammer Niedersachen bieten dies jedes Halbjahr an, wobei man zum einen die Anmeldefristen beachten sollte. Zum anderen gilt es zu beachten, dass bei der Apothekerkammer Berlin diejenigen Studierenden Anrecht auf einen PBU Platz haben, die ihr zweites Staatsexamen in Berlin abgelegt haben und die ihr Offizin-PJ in Berlin oder Brandenburg durchführen. Pharmazeuten bzw. Studierende aus anderen Bundesländern können den PBU  in Berlin besuchen, wenn noch Plätze frei sind. Die Apothekerkammer Niedersachsen bietet den PBU für Studierende an, die ihr Pharmaziestudium in Braunschweig abgeschlossen haben oder die ihr Offizin-PJ in Niedersachsen durchführen. In Ausnahmefällen können Studierende aus anderen Bundesländern am PBU in Niedersachsen teilnehmen, wenn noch Plätze frei sind. Dazu muss sich aber schriftlich im Voraus mit der Apothekerkammer Niedersachsen in Verbindung gesetzt werden.

Die Bayerische Landesapothekerkammer bietet die PBU-Plätze nach dem Windhundprinzip, d.h. dass die PBU-Plätze nach Reihenfolge der Anmeldung vergeben werden.

In jedem Fall sollte man sich mehrere Monate im Voraus mit den Apothekerkammern in Verbindung setzen um sich auf die Teilnahme zu einigen und die Anmeldeprioritäten sollten beachtet werden.

 

Die Inhalte der PBU sind in jedem Bundesland dieselben. Am Ende der Veranstaltung erhält man ein Zertifikat über die Teilnahme, welche von den Kammern bzw. Landesprüfungsämter anderer Bundesländer anerkannt wird. Das heißt also, dass ihr nach wie vor euer drittes Staatsexamen in dem Bundesland ablegen könnt, in welchem ihr schon das zweites Staatsexamen abgelegt habt..

Wie finanziere ich den Aufenthalt?

Im Rahmen eines  mehrmonatigen Auslandsaufenthalts kommen verschiedene Kosten auf euch zu wie z.B. Kosten für das Visum, Miete, eventuell Universitätsgebühren, Reisekosten (Flug), Auslandskrankenversicherung, Reisehaftpflichtversicherung etc.

Mit Ausnahme von IMP-Placements  und IAESTE-Plätzen sind bezahlte Auslands-PJ-Stellen leider eine Seltenheit, weswegen man zumeist zusätzliche finanzielle Unterstützung braucht. Daher bietet sich die Bewerbung um ein Stipendium an.